von Natascha Wanek am 15.01.2021 in Kategorie: Meditation

Folge 5 – Gedankenwolken

In der vorigen Folge 4 haben wir eine Phantasiereise als Vorübung für diese Folge gemacht. Heute widmen wir uns einem ganz speziellen Satz, der dir vielleicht aus der einen oder anderen Meditation, Entspannungsübung, usw. vielleicht schon bekannt ist. Aber warum wird dieser Satz so gerne verwendet und was versteckt sich hinter der Technik der Gedankenwolken?

Wenn Gedanken kommen, dann lass sie (wie Wolken) vorüberziehen

Was einem so klassisch beim ersten Mal durch den Kopf schießt: „welche Wolken?“, „wie vorüberziehen?“, „was soll ich jetzt machen?“, „was will sie jetzt von mir?“, … um nur ein paar zu nennen. Also keine Sorge, wenn auch du schon mal etwas verdutzt in deine Meditation gestartet bist ;) Aber ja, das muss gesagt werden, dieser Satz fällt sehr häufig in angeleiteten Meditation, Entspannungseinheiten, Yogastunden, usw. Warum eigentlich oder was steckt eigentlich dahinter?

Selbstbestimmtheit

Wie wir schon in der Einführungsfolge dieses Podcasts gehört haben, geht es beim Meditieren im Grunde genommen um deinen Fokus. Dein Fokus ist eine Art Kanal oder Weg, den du deinen Gedanken vorgeben kannst oder möchtest. Was wir im Hinterkopf behalten sollten: Das Naturell der Gedanken oder des Geistes funktioniert da ein bisschen anders. Selbstbestimmt möchten die Gedanken und der Geist selbst wählen, wann es, wie, wohin geht. Einem vorbestimmten Weg können die beiden nicht viel abringen. Und genau da hakt Meditation ein. Zu Beginn der Meditationspraxis versuchen wir erkennen zu lernen, welche Gedanken da sind, was sie von uns in diesem Moment brauchen und ob nun auch der passende Zeitpunkt ist.

Was soll ich heute Abend bloß kochen?

Du kennst das vielleicht: während deiner Meditationspraxis, deiner Vorlesung oder auch deinem Meeting verselbstständigen sich deine Gedanken und plötzlich stehst du mit der Frage da „Was soll ich heute Abend bloß kochen?“. Ob alle Familienmitglieder damit einverstanden sein werden. Ob du noch schnell einkaufen gehen musst und sich das Anstellen an überfüllten Kassen überhaupt lohnt. Ob du nicht doch vielleicht etwas daheim in den Untiefen des Kühlschrank findest mit dem alle happy sein könnten. Oder ob du dich in einem Essens-Koch-Familien-Fiasko-Grundsatzdiskussion findest und dich dann doch für eine schnelle Pizzabestellung breit schlagen lässt. Kommt dir bekannt vor? Wem nicht!

Beobachten mit Abstand

Bevor dieser Gedanke Tempo aufnehmen kann und du am Ende dann noch im Kopf das Telefonat mit dem Pizzalieferdienst durchspielst, lohnt es sich mal für einen Moment die Pausetaste zu drücken. Sieh dir dieses Standbild mal genauer an. Betrachte und inspiziere es tatsächlich wie ein Gemälde in einem Museum. Ist dieser Film, aus dem dein Bild stammt, und der da jetzt munter vor sich hinläuft wirklich wichtig in diesem Moment? Kannst du ihn in diesem Moment tatsächlich brauchen oder wird etwas von dir gebraucht? Musst du einschreiten oder eine Handlung setzen? Besteht Gefahr im Verzug? Nein? Darf dieser Gedanke, dieser Film, mal eine Pause einlegen…sagen wir mal, 5-10 Minuten…oder bis du hier fertig bist? Ja? Perfekt!

Abstand zu deinen Gedanken zu gewinnen hat nichts damit zu tun, dass deine Gedanken nicht mehr da sein dürfen. Es bedeutet auch nicht, dass alles still sein muss und du nichts mehr denken darfst oder sollst. Ganz im Gegenteil. Gedanken kommen, bleiben und dürfen aber auch gehen. Nämlich auch wann du es möchtest. Gedanken werden dich immer begleiten. Immer zu. Das wird sich niemals ändern. Die positiven, wie auch die negativen. Aber du kannst lernen dieser Dynamik aus sicherer Distanz zu begegnen, um dir damit Zeit und Raum zu schaffen, um zu beobachten, zu beurteilen und zu entscheiden.

Pustewolke

Der Wolkenhimmel gibt uns eine schöne und zweckdienliche Kulisse, die wir hier schamlos als Mittel zum Zweck benutzen. Versuch dich wirklich auf dieses Bild und auf diese Szenerie einzulassen und gib damit deinen Gedanken einen (vor)bestimmten Platz. Du hast dir Raum, Zeit und Distanz verschafft. Du hast beobachtet und erkannt, dass der Gedanke rund ums Abendessen eigentlich keinen sinnvollen Beitrag zu deiner gerade stattfindenden Situation leistet. Du entscheidest, der Gedanke darf bis du diese Situation abgeschlossen hast, eine kleine Pause auf einer Wolke deiner Wahl einlegen. Du setzt ihn in oder auf eine deiner Wolken und pustest ihn ausatmend einfach mal beiseite. Keine Sorge, der nächste Gedanke wartet bestimmt schon auf dich und der jetzige darf es sich einstweilen gemütlich machen.

it’s all about the focus

Zurück zur Meditation: Nun kannst du dich wieder deinem Atem und deiner Meditation widmen und deinen Fokus wieder aus- und einrichten. Wie gesagt, der nächste Gedanke kommt bestimmt, aber es gibt so viele Wolken auf deinem Wolkenhimmel wie du möchtest und brauchst. Damit sind wir auch eigentlich schon mittendrin: Alleine den Fokus auf etwas auszurichten oder von etwas wegzurichten kann schwer bis manchmal unmöglich sein. Eine der goldenen Regeln des Meditierens ist, dass wir achtsam mit unseren Gedanken, unserem Geist und auch unserem Fokus umgehen. Dir ist vielleicht schon aufgefallen, dass wir eigentlich nie von Konzentration sprechen. Sich auf etwas zu konzentrieren ist eine komplett andere Strategie und Energie, als den Fokus auf etwas zu richten. Konzentration hat immer etwas ein- oder beschränkendes. Sie birgt ein Maß an Anstrengung in sich, das aufgebracht werden muss, um sich selbst aufrecht erhalten zu können. Beim Meditieren wollen wir uns eigentlich genau davon wegbewegen und uns einen Rahmen schaffen, in dem alles im Fluss sein kann.

Du möchtest mehr über Meditation und meine Meditationspraxis in und aus diesem Podcast erfahren? Dann ist mein Blogartikel Einführung in deine Meditationspraxis genau das richtige für dich. Dort findest du auch die Bonusfolge Einführung Podcast Meditation & Atem zum Nachhören.

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