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Wenn der Frühling anklopft, kommt bei mir immer die Lust aufs Bunte. Auf dem Teller, im Garten, am Balkon, in der Garderobe. Ich vermute mal es liegt in unserer „Natur“, dass wir uns selbst auch nach der Jahreszeit ausrichten und anpassen wollen. Nach den Schnupfnasen, der kahlen Winteroptik, dem oft tristen Wetter und der trockenen Heizungsluft zieht es uns regelracht nach draußen. Die ersten Sonnenstrahlen bei einem Spaziergang genießen, im Garten herumwerkln, Frühlingsboten in der Wiese finden, uvm.

Eine kulinarische Herausforderung für sich

Zugegeben, der Frühling kann auf dem Teller eine Herausforderung für sich sein. Der Körper giert nach frischem, knackigen Gemüse und Obst. Man wünscht sich leuchtende Farben und sattes Grün. Klingt einfach, oder? Kommt ganz darauf an, wann für dich der Frühling nun beginnt….also auf dem Teller, nicht im Kalender.

Frühling am Teller ist nicht gleich Frühling in der Natur

Es ist wirklich interessant, was einem so als Frühlingsrezept und Frühlingsaktionen in Magazinen, Zeitschriften, Flugblättern, Blogs, usw. untergejubelt wird. Mein persönlicher Favorit: Frühlingsdesserts mit Rhabarber (selbstverständlich Bio, selbstverständlich aus Österreich) mit Erdbeeren aus dem Glas- oder Folienhaus aus Spanien. Relativ sinnbefreit wenn man genauer darüber nachdenkt. Natürlich, so ein Rhabarber-Erdbeer-Schnitterl ist schon etwas feines, aber Erdbeeren gibt’s bei uns leider erst im Sommer.

Also genau hinschauen zahlt sich aus, vor allem wenn man sich regional und saisonal ernähren möchte, vielleicht sogar auch ethisch korrekt mit einer guten CO2-Bilanz. Einen eindeutigen Vorteil hat natürlich derjenige, der sich schon mal selbst am Gemüseanbau versucht hat. Ich weiß, das geht nicht überall (bin ja nicht von gestern!) ABER fast überall ;)

Marke Eigenanbau

Bei unserer alten Wohnung hatten wir einen Balkon mit nicht einmal 4qm Fläche. Ich habe in verschiedenen Blumentrögen und Pflanzkästen Paradeiser, Gurken, Paprika, Chili, Kohlrabi, Auberginen, Salat, Rucola, Mangold, Spinat, Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren und verschiedene Kräuter (Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Salbei, Thymian, Oregano, Majoran, Rosmarin, Kapuzinerkresse, Liebstöckl, usw.) angebaut. Wo ein Wille da ein Weg sag ich immer und ich kann da recht hartnäckig sein ;)

Es hat natürlich nicht ausgereicht uns beide autonom über die Sommermonate zu ernähren. Da braucht es dann schon wirklich eine große Fläche, viel Zeit (weil sehr viel Arbeit) und eine Lagerungs- bzw. Verwertungsmöglichkeit (es wird so ziemlich alles gleichzeitig reif und man versinkt kiloweise im Gemüse der selben Sorte). Aber die Erfahrung war es absolut wert! Man bekommt ein Gefühl dafür wann welches Gemüse oder Obst tatsächlich reif wird und Saison hat. Man beobachtet und man lernt aus der Entwicklung der Pflanze bis zur Frucht. Man sieht die Arbeit dahinter (auch wenns nur wenige Pflanzen sind, die man zu betreuen hat) und lernt es zu schätzen. Es schmeckt einfach besser, man weiß woher es kommt und man schmeißt nicht so leichtfertig etwas weg.

Projekt Selbsternteparzelle

Ich habe mich über 3 Jahre am Projekt Gemüse/Obst vom Balkon versucht und beschloss dann mich an einem größeren Projekt auszuprobieren. Ich habe mir dann eine Selbsternteparzelle in der Nachbarortschaft für eine Saison lange gepachtet. Ich muss ehrlich sagen, ich hab’s eindeutig unterschätzt. Nachträglich gesehen bin ich froh, dass mich meine Lieben davon abgehalten haben die größte Parzelle zu pachten. Ich hatte mich dann doch für die kleinste entschieden. Rund 20qm Selbstverwirklichungsraum als Hobby-Gemüsebauer. Es war mehr als genug! Vor allem mehr als genug Arbeit. Ich hatte zwar kein Obst auf der Parzelle, aber einmal Gemüse und Kräutern quer durch die Bank: Radieschen, Salat, Paradeiser, Gurken, Zucchini, Paprika, Chili/Pfefferoni, Auberginen, Kürbisse, Fisolen, Erbsen, Zuckerschoten, Mais, Kohlrabi, Karotten, rote Rüben, Pastinaken, Mangold, Spinat, Dille, Petersilie, usw. Ich sags euch, das war ein Knochenjob! Unkraut jäten, umstechen, ausschneiden, ernten, zwei Mal täglich gießen und dann noch die Ernte verkochen, einmachen, verarbeiten. Es ist wirklich ein Auftrag so ein Stückerl „Land“ zu bewirtschaften und zu pflegen. Am Ende vom Tag soll ja auch was dabei rausschauen.

Saisonarbeit die sich lohnt

Also wenn du wirklich wissen willst wann, was, wie auf den Teller kommt, rate ich dir wirklich dazu unter die Gemüse-Hobbybauern zu gehen. Bis dahin kann man dir leicht erzählen, dass Erdbeeren super zu Rhabarber im März passen. Und ja, auch der Bio-Paradeiser aus Italien wächst nicht unter freiem Himmel im Dezember – muss uns auch klar sein.

Nachdenken beim Einkaufen

Unser Nicht-Wissen findet sich nicht nur im Konsum von tierischen Produkten, sondern auch bei Gemüse und Obst. Modernste Technik, hektargroße Folienhaus-Areale in Spanien & Co. (CO2 Verbrauch für die Beheizung der Folien- und Glashäuser und der Transportweg) und Menschen die unter unterwürdigen Bedingungen dort arbeiten (Stichwort Flüchtlinge die hochgiftigen Spritzmitteln ausgesetzt werden) , bringen uns die Himbeeren im Februar (Stichwort Valentinstag), die Erdbeeren spätestens im März und Paradeiser das ganze Jahr. Soll das wirklich so sein und bleiben bzw. MUSS das so sein? Ja, auch der Veganer ist nicht erhabener als der Otto-Normal-Esser und ist genauso in seiner Konsumentenpflicht beim Einkauf hinzuschauen.

Ein dankbares, unabhängiges Rezept

Ich liebe Rezepte die mir eine Basis bieten, auf der ich aufbauen kann oder die ich x-beliebig abwandeln kann. Der Gemüse- bzw. eigentlich Erdäpfelstrudel ist so eines. Die Basis bilden immer die Erdäpfeln und natürlich der Strudelteig. Ich greife gerne auf fertigen Strudelteig zurück, aber du kannst dich ja mal an selbstgemachten ausprobieren ;) Die Füllung ist sehr simpel – alles darf rein was Spaß macht und schmeckt! Du kannst natürlich auch nur Erdäpfeln rein füllen – da würde ich dann den Anteil der Erdäpfeln erhöhen. Es passt wirklich JEDES Gemüse rein, du kannst auch Tofu, Seitan, Tempeh, usw. einfüllen. Die einzige Regel die hier gilt: du musst die Komponenten der Füllung immer vorgaren. Der Strudel ist (egal was du einfüllst) zu kompakt und nicht lange genug im Rohr, dass dir alles gar wird in der Masse. Der Strudel bleibt ja nur so lange im Backrohr, bis der Strudelteig Farbe bekommen hat und knusprig ist. Das heißt im Strudel drinnen, wird es nicht heiß genug, dass dir z.B. Karottenstücke, Brokkoliröschen, usw. durch werden.

Auch bei den Gewürzen und Kräutern hast du absolut freie Hand. Basisgewürze wie Thymian, Majoran, Petersilie, Schnittlauch, usw. sind nie verkehrt. Für welche Variation du dich auch entscheidest – ich wünsch dir viel Spaß beim Ausprobieren, Abwandeln und vor allem Genießen!

Gemüsestrudel mit Joghurt-Sprossen-Dip

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Gericht: Hauptgericht
Land & Region: Österreich
Keyword: Hausmannskost, vegan
Vorbereitungszeit: 30 Minuten
Zubereitungszeit: 45 Minuten
Portionen: 4 Portionen

Zutaten

Gemüsestrudel

optional & wenn saisonal verfügbar:

  • 2-3 EL frischer Bärlauch, gehackt

Weiters:

  • 1 Bogen Backpapier
  • 1 Geschirrtuch
  • Backblech, Pinsel

Joghurt-Sprossen-Dip

  • 500 g Pflanzenjoghurt
  • 2-3 Pkg. Sprossen (Rucola, Radieschen, Kresse, Brokkoli, usw.)
  • 1 Stk. Knoblauchzehe
  • 4 EL Zitronensaft
  • Salz
  • Pfeffer

Anleitungen

Gemüsestrudel

  • Die Erdäpfeln in reichlich Salzwasser 20-25 Minuten kochen. SONNENTOR Lorbeerblätter Bio zum Kochwasser hinzufügen.
  • Die Erdäpfeln abseihen, schälen und grob zusammenschneiden.
  • Die Karotten schälen und in 5x5mm Würfel schneiden.
  • Den Karfiol und den Brokkoli in kleine Röschen (Stücke) teilen/schneiden und kurz abwaschen.
  • Den Blattspinat waschen, eventuell putzen.
  • Die Paprika waschen, putzen und in 1x1cm große Stücke schneiden.
  • Die Zwiebel in feine Würfel schneiden und den Knoblauch hacken oder mit einer Knoblauchpresse pressen.
  • Einen weiteren Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen und das Natron hinzufügen.
  • Eine Schüssel mit kaltem Wasser und einen Schaumlöffel bereitstellen.
  • Die Karottenwürfel, die Karfiol- und Brokkolistücke in das kochende Wasser geben und für 3 Minuten blanchieren. Mit dem Schaumlöffel aus dem heißen Wasser holen und im kalten Wasser abschrecken.
  • Anschließend auf einem Küchenpapier abtropfen lassen.
  • Dann den Spinat in den Topf geben und für 1-2 Minuten blanchieren. Dann ebenso mit dem Schaumlöffel aus dem heißen Wasser holen und im kalten Wasser abschrecken.
  • Den Spinat abtropfen lassen oder vorsichtig mit den Händen ausdrücken und mit einem Messer grob durchhacken.
  • In einer großen Pfanne Öl erhitzen und die Paprikastücke rösten, bis sie leicht Farbe nehmen.
  • Den Zwiebel und den Knoblauch zugeben und glasig mit anschwitzen.
  • Das Gemüse aus der Pfanne nehmen und nochmals etwas Öl erhitzen.
  • Nun die grob geschnittenen Erdäpfeln in derselben Pfanne kurz durchrösten.
  • In einer großen Schüssel die Erdäpfeln, das Paprikagemüse, die Karottenwürfel, die Karfiol- und Brokkoliröschen und den Spinat vermengen.
  • Mit Salz, Pfeffer, Chili und Muskat würzen. Das ganze mit der geriebenen Zitronenschale und wenn verfügbar und gewünscht, dem gehackten Bärlauch abrunden.
  • Das Backrohr auf 180-200°C Heißluft vorheizen.
  • Ein Backblech mit Backpapier auslegen und bereitstellen.
  • In einer kleinen Schüssel etwas Öl und einen Pinsel bereitstellen.
  • Ein Geschirrtuch aufbreiten und die Strudelteigblätter vorsichtig auspacken.
  • Ein Strudelteigblatt auf dem Geschirrtuch ausbreiten und dieses mit dem Pinsel vorsichtig und dünn mit Öl bestreichen.
  • Das zweite Strudelteigblatt darauf legen.
  • Die Erdäpfel-Gemüse-Masse halbieren und eine Hälfte auf die Strudelteigblätter circa in der Hälfte platzieren. Dabei links und rechts rund 8cm frei lassen.
  • Mit dem Pinsel den Rand der Strudelteigfläche pinselbreit mit Öl einstreichen.
  • Den rechten und linken Rand des Strudelteiges einklappen und leicht andrücken.
  • Mit Hilfe des Geschirrtuches die untere Hälfte des Strudelteiges über die Masse drüberklappen und leicht andrücken.
  • Die obere Strudelteigkante 3-5cm einklappen und andrücken. Die derzeitige Oberseite des Strudels dünn mit Öl bestreichen.
  • Nun die gesamte obere Hälfte des Strudelteiges mit Hilfe des Geschirrtuches über den Strudel klappen und leicht andrücken.
  • Mit Hilfe des Geschirrtuches den Strudel auf das Backblech legen, sodass die „Naht“ (=eingeklappte Seite) nun auf dem Backblech zum Liegen kommt.
  • Mit der zweiten Hälfte der Erdäpfel-Gemüse-Masse und den restlichen zwei Strudelteigblättern genauso wiederholen.
  • Beide Strudel dünn mit Öl einpinseln und in das Backrohr schieben.
  • Nach circa 10 Minuten erneut dünn mit Öl einstreichen.
  • Der Strudel braucht circa 20-30 Minuten bzw. bis er eine schöne, goldbraune Farbe hat. Ich pinsel ihn gerne alle 10 Minuten mit etwas Öl ein, damit er eine schöne gleichmäßige Farbe bekommt und knusprig wird. Wichtig ist, dass du nur ganz wenig Öl verwendest.

Joghurt-Sprossen-Dip

  • Das Joghurt in eine Schüssel geben und gut durchrühren.
  • Die Sprossen mit einer Schere abschneiden, in ein feines Sieb geben und kurz abspülen. Etwas abtropfen lassen.
  • Den Knoblauch hacken oder mit einer Knoblauchpresse pressen.
  • Knoblauch und Sprossen mit dem Joghurt vermengen.
  • Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Den Strudel portionieren und mit dem Dip anrichten. Ein frischer Blattsalat passt hervorragend dazu.
  • Guten Appetit!

Zum Nachlesen & Nachdenken:

Gemüse aus Spanien: Hungerlöhne für Pflücker

Sklaverei mitten in Europa Willkommen in der vierten Welt

ARD-Doku „Europas dreckige Ernte“Warum Sie kein Obst und Gemüse aus Spanien und Italien kaufen sollten

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