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Yoga mit Senioren am Sessel

Wenn ich eines in meiner Zusammenarbeit mit meinen SeniorInnen gelernt habe dann, dass hier alles eine Relevanz hat, außer das Alter. Man ist nicht automatisch Senior mit 60 Jahren und das Bild, dass man als junger Mensch von einem Senior hat….meines hat sich stark gewandelt (im positiven Sinn) ;)

Aktivität ist der ausschlaggebende Punkt

Aktivität im vorhergehenden Leben alleine garantiert keinen besseren Gesundheitszustand oder eine bessere Basis für Yoga. Fakt jedoch ist, je mehr Aktivität oder Sport im Leben integriert werden konnte, umso mehr kann ich mich auf mich und meinen Körper verlassen. Hier ist auch zu sagen, dass Aktivität nicht gleich Aktivität ist. Viele meiner Senioren haben in ihrem Leben (körperlich) schwer gearbeitet, haben Kinder großgezogen, den Partner gepflegt und man darf auch eines nicht vergessen, wir sprechen hier von der Nachkriegs-Generation. Meine Generation durfte in Friedenszeiten aufwachsen und alles war verfügbar – kein Mangel, keine Zeiten von Hunger und Versorgungsknappheit, zuletzt auch erheblich weniger Sorgen/Ängste, als diese Generation sehen und erleben musste.

Im Prozess des Alterns

Hinzu kommt der Aspekt des Alterungsprozesses, egal von welchem Alter und Lebenshintergründen man spricht. So ungern man es auch hat, viele Umstände, Probleme oder Schwierigkeiten bringt der Alterungsprozess einfach mit sich mit. Verschleißerscheinungen, Verlust der Körperspannung und Kraft, Bewegungseinschränkungen, usw. ohne gravierende gesundheitliche Probleme zu nennen und zu zählen, stehen im „Normalprogramm“. Ein Prozess der zum Leben dazugehört, auch wenn wir uns wünschten er würde bei uns selbst eine Ausnahme machen.

Der Körper will bewegt werden

Es gibt weder ein Allheilmittel noch eine Ausweichmöglichkeit. Natürlich, den einen trifft es mehr und/oder härter den anderen weniger bis gar nicht. Da kann ich wieder nur sagen: Lebensumstände, Erlebnisse, Erfahrungen, Krankheitsgeschichte, Aktivitätsausmaß, Veranlagung, usw. müssen berücksichtigt werden. Aber eines ist ganz klar – der Prozess kann ausgebremst bzw. abgepuffert werden. Das ist die gute Nachricht. Aber wie meine Oma schon sagte, von nix kommt nix und das kann vielleicht die weniger gute Nachricht sein. Bewegung ist der gemeinsame Nenner in dieser Lösung. Auch wenn uns die Couch noch so verführerisch anlacht, der Fernseher am Wochenende zum Verweilen einladet und man sich nur ungerne aufrafft – ob man es glaubt oder nicht, der Körper will und muss bewegt werden. Über das Alltagsbewegungspensum hinaus versteht sich.

Der Wettlauf um das Essen

Man ist ja schon fast diese Vergleiche mit unseren Vorfahren in prähistorischer Zeit leid, aber ich muss bis dorthin ausholen. Der Höhlenmensch war kein Gammelfleisch auf der Couch, sondern immer in Bewegung. Das fing schon beim Essen an. Natürlich Beeren und Kräuter liefen einem nicht davon, aber das eine oder andere Tier schon. Andersherum geht’s natürlich auch. Selbst wollte man ja auch nicht als Hauptspeise am Teller landen und hatte demnach in Gefahrensituationen nur dann die besseren Karten, wenn man dementsprechend flink und schnell genug unterwegs war.

Wenn aus Armen Ärmchen und aus Beinen Beinchen werden

Es sind nicht immer nur die Fehl- oder Falschhaltungen die unsere Faszien verkleben lassen und uns Verspannungen und Beschwerden bescheren. Die Faszien, welche als Häute Bindegewebsstrukturen, Muskeln, Organe, usw. durch- und überziehen, müssen gleiten dürfen. Ein Gelenk muss sich in seinem anatomisch, physiologisch vorgesehenen Radius bewegen dürfen. Jeder der schon mal Arm und/oder Bein eingegipst hatte, hat am eigenen Leib erfahren, was ein trivialer Knochenbruch mit 6-Wochen Gips an Auswirkung zeigen kann. Abgesehen davon, dass „der Muskel abbaut“, also Arm oder Bein dann eher nach Ärmchen und Beinchen aussehen, wird’s erst richtig spannend, wenn ein Gelenk mitinvolviert ist. Im Volksmund sagt man gerne das Gelenk „versulzt“. In ein ruhiggestelltes Gelenk wieder Bewegung hineinzubringen ist alles, nur kein Spaziergang. Und genau hier finden wir uns – versulzt, verklebt und ruhiggestellt, wo doch eigentlich Bewegung stattfinden sollte.

Ein realistisches Ziel

Wenn man in dieser Gasse ist, ist sicherlich nicht die Bikinifigur das Ziel der Stunde. Man wünscht sich Gelenke schmerz- und beschwerdefrei bewegen zu können, Beine normal belasten zu können, sich ohne groß nachzudenken fortzubewegen.

Das führt uns auf die Frage nach der Zielsetzung. Sollte mein Ziel Gewichtsabnahme, die Bikinifigur oder 50 Liegestützt in Serie zu können sein? Mein Ziel ist meinen Körper möglichst beschwerdefrei und sicher bewegen zu können. Meinen Körper spüren und wahrnehmen zu können, als das was er ist und nicht als das was er sein sollte.

Was steckt hinter dem ganzen Yoga?

Das ist Yoga. Yoga ist kein Wundermittel. Yoga für Senioren ist kein Verjüngungsmittel. Es macht nicht schlank, jung, oder akrobatisch. Es strafft keine Falten und zaubert keinen jahrzehntealten Bauch weg. Gerade Yoga für Senioren im Speziellen, bringt das Wesentliche auf den Punkt.

Im Seniorenyoga bringen wir den Körper mit sanften, angepassten und zielgerichteten Übungen wieder in Bewegung. Die Übungen werden hier vor allem in ihrer Dauer, der Wiederholungsfrequenz, dem benötigten Kraftaufwand und den körperlichen Möglichkeiten angepasst. Jeder soll ins Spüren kommen und selbst erkennen „Was tut mir heute besonders gut?“, „Was brauche ich heute?“, „Wo sind meine Grenzen und wo mache heute lieber einen Punkt?“. Der beste Yogalehrer kann nicht die Empfindungen und Befindlichkeiten der TeilnehmerInnen erspüren, erraten oder vorhersehen. Es kommt ganz auf einen selbst und seinen Körper an. Das ist der Deal – Yoga ist ein Werkzeug zur Selbsthilfe mit Starthilfe. Wie auch in anderen Lebensbereichen und generell im Bereich Gesundheit – nur man selbst hat es in der Hand, denn nur man selbst spürt den Körper in dem man drin steckt.

Was also bringt Yoga für Senioren konkret?

  • Beweglichkeit
  • Balance
  • Koordination
  • Kraft
  • Flexibilität
  • Stabilität
  • Aufrichtung
  • ein neues, positives Körpergefühl und Körperbewusstsein
  • Bewusstheit
  • Achtsamkeit
  • Verbindung des Atems mit der Bewegung
  • Schulung des inneren Beobachters
  • Akzeptanz für den Entwicklungsprozess des eigenen Körpers

Die Rechnung ist ganz einfach. All diese Aspekte ermöglichen Konzepte wie „Sturzprävention im Alter“, „Stabilität und Sicherheit im Alter“, „Wahrung der Autonomie im Alter“.

Dran bleiben ist die Devise

Wie in so vielen Bereichen im Leben gibt es auch beim Yoga (egal welches Yoga) ein gemeinsames Credo – Dranbleiben. Nur wer sich auf dieses Commitment einlässt, wird seine Erfolgsmomente feiern können. Dabei ist wichtig zu sagen, dass wir hier nicht von Üben der Perfektion wegen sprechen. Wie auch bei anderen Bewegungs- und Sportarten geht es darum eine Übungs-Routine zu entwickeln.

Weil, von nix kommt nix – das hat schon meine Oma gesagt. :)

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